Wir über uns
Informationen
- Mitgliedschaft
- Ehrungen
- Software
- Versicherungen
- Sitzungen
- Zuschüsse
- Juristisches
- "1000 Takte Blasmusik"
- GEMA
Service
Sinf. Blasorchester des MON feiert 10jähriges Bestehen
Das Sinfonische Blasorchester des MON feiert sein 10jähriges Bestehen und tut dies mit einem Jubiläumskonzert am Samstag, 12. Juni 20 Uhr im Herkulessaal der Münchner Residenz und einem Schülerkonzert am Freitag, 11. Juni 2010 10.30 Uhr im Prinzregententheater.
Die "Bayerische Blasmusik" interviewte dazu Dirigent Markus Theinert:
Bayerische Blasmusik: Maria Hommer und Markus Julius Beck bezeichneten im Interview in der vorigen Ausgabe (BB 4/10, d. Red.) das SBM als »einfach etwas Besonderes«. Was ist das Besondere am SBM für seinen Dirigenten Markus Theinert?
Markus Theinert: Da zeichnen sich verschiedene Aspekte ab. Zum einen ist das Besondere, dass wir tatsächlich im zehnten Jahr eine erfreuliche Kontinuität verwirklichen konnten, die einmal besetzungsmäßig natürlich schon sehr viel musikalische Substanz bewirkt hat. Das heißt, wir haben sehr viele »Wiederholungstäter«, die immer wieder kommen. Damit muss die musikalische Arbeit nicht jedes Mal von Neuem begonnen werden, sondern man kann schon auf sehr viel musikalische Substanz zurückgreifen. Das ist etwas Besonderes bei einem Projektorchester, das nur einmal im Jahr zusammenkommt. Denn in den meisten Fällen gibt es doch eine große Fluktuation, die unter Umständen einen solchen musikalischen Fortschritt nicht erlaubt. Das zweite ist natürlich auch für mich, dass ich mit dem besonderen Engagement der Musiker, die im Orchester beteiligt sind, auch auf ganz besondere Programme zugreifen kann. Das heißt, dass ich auch Dinge umsetzen kann, die so in einem Konzertprogramm unter dem Jahr nicht unbedingt möglich sind. Also besondere Programme ? Programme, die Themenbereiche abdecken, die aber vor allen Dingen auch im Anspruch der sinfonischen Blasmusik in höheren Kategorien angesiedelt sind. Und das dritte vielleicht in diesem Jahr - wie auch schon in vergangenen Jahren - dass wir mit tollen Solisten arbeiten können. Heuer mit Albert Osterhammer, der als Bassklarinettist der Münchner Philharmoniker dem Programm ein ganz besonderes Licht aufsetzen wird. Nicht nur mit dem Spiel seiner Bassklarinette, sondern auch mit dem Stück von Jan Van der Roost, das natürlich auch ein tolles Repertoirestück ist. Für mich ist es also in zweierlei Hinsicht eine Freude, das zu beobachten. Einerseits die erfreuliche Anzahl von jungen Menschen, die selbst im Beruf als Musiker tätig sind oder als Dirigenten in der Blasmusik aktiv sind - und natürlich, diese jungen Menschen jedes Jahr bei diesem Projekt wiederzusehen. Und dann natürlich auch der junge Nachwuchs, der die frei gewordenen Stellen wieder auffüllt. Und die Möglichkeit, ganz ausgefallene Programme zu verwirklichen.
Bayerische Blasmusik: Im Herkulessaal steht das Jubiläumskonzert auf dem Programm. Was bedeutet es für Sie, dass Sie dieses Orchester nun seit zehn Jahren leiten?
Markus Theinert: Zehn Jahre sind eine lange Zeit für so ein Projekt. Vor allem in dieser Zeitkontinuität - wir sind nur einmal in die Osterferien ausgewichen und haben ansonsten immer an Pfingsten gearbeitet. Aber die zehn Jahre heißen für mich schon, dass da etwas passieren konnte. Ich sage immer: Fünf Jahre sind ein Zeitraum, in dem man etwas aufbauen kann. Was danach kommt, ist in der Regel das Ernten der Früchte. Und das kann man auch durchaus in diesem Fall sagen. Nach den ersten drei oder vier Jahren waren wir bereits in der Situation, dass die Arbeit wirklich Früchte getragen hat, die wir jetzt auch immer noch ernten. Nicht nur durch die Möglichkeit, in schönen Sälen in München aufzutreten, sondern auch im tatsächlichen musikalischen Erleben. Dass es gar nicht mehr darum geht, erst ein Orchester zu schaffen, sondern mit einem Orchester zu einem musikalischen Ergebnis zu kommen. Das war am Anfang nicht der Fall. Am Anfang ging es wirklich darum, sinfonische Strukturen zu realisieren, die musikalisches Arbeiten überhaupt erst ermöglichen. Da hat sich vieles in der Homogenität getan, was eigentlich nicht weiter zu erklären ist. Denn warum soll ein Orchester, das sich in den Ferien trifft, von der grundsätzlichen Einstellung nach zehn Jahren anders sein als im ersten Jahr? Schließlich hat jeder unter dem Jahr etwas Anderes zu tun, als für das SBM zu arbeiten oder zu proben oder zu üben. Das macht man erst in den letzten Wochen vorher. Aber es gibt doch etwas, das bleibt. Das heißt, was die jungen Musiker nach Hause mitnehmen, ist mehr als nur »Was können wir von dem, was wir gelernt haben, im nächsten Jahr noch ansetzen?« Ich glaube, dass sehr viel von der Arbeit des Orchester nach außen getragen wird, dass meine Musiker auch übers Jahr mit einem anderen Bewusstsein arbeiten können. Und das bringen sie im nächsten Jahr wieder mit. Das ist vielleicht auch die besondere Freude im Jubiläumsjahr: Zu sehen, dass da soviel entstanden ist, was sich auch über die Arbeit des SBM hinaus durch die Musiker in der wöchentlichen Probenarbeit in den Orchestern draußen realisiert. Sei es als Leistungsträger im Instrumentalbereich oder als Dirigenten, die für eine Stadtkapelle oder für einen Dorfmusikverein auch musikalisch verantwortlich sind, die dort also quasi ihre Wahrnehmung vom sinfonischen Netzwerk auch in der täglichen Arbeit anwenden können.
Bayerische Blasmusik: Das haben verschiedene SBM-Musiker in Kurzinterviews nach dem letztjährigen Konzert bestätigt. Und einige von ihnen führen auf die Arbeit im SBM auch ihren Erfolg in ihren eigenen Kapellen zurück. Damit sind wir schon beim Thema Dirigenten. Sie selbst sind gelernter Sinfonieorchester-Dirigent und haben Ihr Handwerk beim großen Meister Sergiu Celibidache gelernt. Sie sind auch nach wie vor Dirigent von Sinfonie- und Kammerorchestern. Wo liegt für Sie der große Unterschied zwischen dem Sinfonie- und dem Blasorchester?
Markus Theinert: In der Substanz der Klanglichkeit. Es sind andere Instrumente beteiligt. Im Blasorchester ist eine Vielzahl von Klangfarben vertreten, die eine Herausforderung darstellt. Ein Streichorchester ist in sich harmonischer und homogener im Klang. Es ist auch ein Sinfonieorchester mit dem sinfonischen Holzbläserquartett Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott sehr viel leichter homogen hinzubekommen, als die gemischten Farben des Blasorchesters mit den Bügelhörnern, den Saxofonen, der ganzen Klarinettenfamilie und den Flöten. Andererseits gibt es durch diese Vielfalt auch Möglichkeiten, die in einem Sinfonieorchester nicht vorhanden sind. Die Klangfarben sind interessant, sind abwechslungsreich, und wenn ein Komponist oder Bearbeiter das effektvoll umsetzen kann, auch musikalisch bereichernd. Das ist vielleicht der Hauptunterschied. Für den Dirigenten ist es wie wenn Sie von einem Instrument auf das andere umsteigen. Wenn Sie Trompete spielen und als Trompeter ein Flügelhorn in die Hand nehmen, werden Sie feststellen, dass der Klang wärmer geworden ist, dass Sie in Kantilenen andere Möglichkeiten haben. Umgekehrt können sie mit der Trompete vielleicht etwas besser Fanfaren und Signale spielen. Dieser Unterschied liegt aber nur äußerlich im Klang. Was in der Arbeit den Hauptunterschied ausmacht, ist, dass die Laienmusikszene so reichhaltig im Blasmusikbereich tätig ist, während zumindest ich persönlich im Sinfonieorchester ausschließlich im professionellen Bereich gearbeitet habe. Und das ist für mich eigentlich der große Schritt. Das heißt: Seit ich entdeckt habe, dass man auch mit Laien wunderbar musizieren kann, die eine unbedingte Einsatzfreude mit ins Geschehen bringen. Denn die machen das wirklich nur aus Spaß, und der Kommerz spielt keine Rolle. Das ist natürlich ein ganz ganz großer Pluspunkt. Das zweite ist vielleicht auch, dass die Entdeckerfreude im Blasorchesterrepertoire noch viel größer ist. denn es dreht sich nicht so sehr um das Rauf- und Runterspielen von Repertoire. Es ist fast jedes Konzertprogramm für viele Musiker im Orchester neu. Dadurch wird es auch mit anderen Ohren entdeckt, als wenn wir die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zum ich weiß nicht wieviel tausendsten Male aufführen und spielen. Ich glaube, das ist etwas, was der noch relativ jungen sinfonischen Blasmusik in Deutschland auch viel Enthusiasmus und Engagement bringt.
Bayerische Blasmusik: Blicken wir ein bisschen über die MON-Grenzen hinaus. In anderen Verbänden ist man nun froh, wieder ein echtes »eigenes« Auswahlorchester zu haben, das nicht mehr mit professionellen Aushilfen gespickt ist, auch wenn die Qualität dann vermeintlich nicht mehr internationalen Ansprüchen genügt. Beim SBM hat man immer schon auf Aushilfen verzichtet. Erste Frage: Warum hat man beim SBM von vornherein auf eine Vielzahl von professionellen Aushilfen verzichtet? Zweite Frage: Welche Aspekte stehen für Sie bei der Arbeit mit dem SBM im Vordergrund?
Markus Theinert: Zum einen ist es natürlich die Tatsache, dass ich davon ausgehe und es auch in meiner Probenarbeit erlebt habe, dass nur die Probenarbeit zu einem musikalischen Ergebnis führen kann. Das heißt, ich kann nicht durch instrumentale Qualität irgendeine musikalische Wirklichkeit schaffen. Ich kann lediglich die Oberfläche polieren. ich habe mit professionellen Aushilfen vielleicht klanglich andere Möglichkeiten, ich habe vielleicht technisch andere Möglichkeiten. Ich habe aber nicht sinfonisch andere Möglichkeiten. Die werden sogar meistens beschnitten. Und zwar durch die Tatsache, dass üblicherweise kein Verband und auch kein anderer Veranstalter die Proben bezahlen kann, wenn sie mit professionellen Kräften bestritten werden sollen. Das heißt, man macht zwangsläufig den Kompromiss, dass die Aushilfen ? und das sagt schon der Name Aushilfe, die gehören nicht zum Orchester dazu, sondern kommen hinzu, und zwar in der Regel gegen Ende der Probenarbeit ? erst im letzten Moment zu den Proben dazukommen. Wie aber kann das sein, dass, wenn wir musikalisch an einer Wirklichkeit arbeiten, in den letzten vier oder fünf Proben noch entscheidende Positionen neu besetzt werden, die diesen Prozess nicht miterlebt haben? Sie können im Grunde genommen nicht mehr integriert werden und maximal dazu beitragen, dass oberflächlich betrachtet der Klang eines Orchesters noch eine Spur schöner, eine Spur professioneller, eine Spur runder wird. Aber von der musikalischen Arbeit her sind sie nicht zu integrieren. Es sei denn, ich hätte sie auch von Anfang an dabei. Aber das ist wie gesagt aus Kostengründen nicht zu realisieren. Insofern ist das gar keine Idee von mir, sondern eine Notwendigkeit. Wenn man musikalisch arbeiten will, muss man zu allen Proben alle Musiker haben. Und das schließt in der Regel professionelle Aushilfen als Basis eines Orchesters aus. Wenn wir uns trotzdem behelfen mit Ausfhilfen, dann ist das aus der Not geboren, in nach wie vor kritischen Instrumentenbereichen wie den Doppelrohrblattinstrumenten zum Beispiel. Da werden wir in Bayern wahrscheinlich in absehbarer Zeit noch nicht auf eine ausreichende Substanz zurückgreifen können. Daran wird aber auch schon gearbeitet. Ich glaube, wir haben in jedem Jahr ein paar Register weniger, in denen wir auf Aushilfen angewiesen sind.
Bayerische Blasmusik: Was steht für Sie bei der Arbeit mit dem Orchester im Vordergrund?
Markus Theinert: Der Mensch. Also nicht das Orchester als Institution und auch nicht als Klangeinheit, sondern die Individuen, die sich an diesem Prozess beteiligen. Das scheint etwas vermessen, wenn man sich die große Anzahl der Musiker anschaut, die in diesem Orchester mitwirken. Und deswegen ist unsere Arbeit auch sehr intensiv und sehr zeitaufwändig, wenn man es genau unter die Lupe nimmt. Aber diese Zeit brauche ich, um mich mit jedem Einzelnen beschäftigen zu können. Nicht im Sinne der privaten Unterhaltung unter vier Augen, sondern tatsächlich in der Probenarbeit mit dem Menschen, der auf dem Wege ist, eine Klangerfahrung zu machen und eventuell zur Musik zu kommen. Denn ohne diese Beschäftigung mit dem Menschen kann ich mich nicht mit einem Orchester beschäftigen. Das ist die Voraussetzung für die Orchesterarbeit und auch der Grund dafür, dass wir zehn Tage brauchen. Zehn volle Arbeitstage, die normalerweise von 9 Uhr bis 22 Uhr gut ausgefüllt sind. Das ist ein Arbeitstag, der die kühnsten Erwartungen jedes Arbeitgebers mehr als sprengen würde. Das ist jedenfalls mehr als man normalerweise einem Blasorchester zumutet. Es geht aber nicht hauptsächlich um das Erlernen der Partien, sondern um die persönliche Erfahrung des musikalischen Prozesses, der noch vor dem Konzert steht. Denn wenn ich zu einem Konzerttermin selbst in den Proben noch keine musikalischen Erfahrungen realisieren konnte, dann bleibt es unwahrscheinlich, dass im Konzert etwas Entscheidendes passiert. Wir müssen jeden Einzelnen auf diesen Weg mitnehmen. Und jeden Einzelnen heißt nicht nur, dass derjenige anwesend sein muss, sondern ich muss mich auch mit jedem Einzelnen beschäftigen.
Bayerische Blasmusik: Damit legen Sie mir die Antwort auf die nächste Frage beinahe in den Mund. Deswegen drehe ich die Frage ein bisschen um: Der größte Wunsch vieler Musiker im Zusammenhang mit dem SBM lautet: »Markus Theinert« soll weitermachen. Die ursprüngliche Frage hätte gelautet: Was bedeutet Ihnen dieser Vertrauensbeweis? Jetzt frage ich anders: Bedeutet dieser Vertrauensbeweis und diese Zuneigung der Musiker, dass Sie alles richtig machen?
Markus Theinert: Nein, ich mache Fehler wie jeder andere auch. Auch bei mir ist es so, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und ich bin in keiner Weise ein Perfektionist, was das Miteinander ausmacht. ich bedaure sogar manchmal, dass ich nicht menschlich dieselbe Sicherheit habe, die ich auf musikalischem Gebiet habe. Wenn ich die hätte, dann wäre ich heute wahrscheinlich auch ganz woanders. Die Tatsache, dass man immer wieder Fehler macht, hat aber nichts damit zu tun, dass es Leute gibt, die diese Erfahrung, die wir gemeinsam in den vergangenen Konzerten erlebt haben, nicht gerne wiederholen möchten. Es geht hier glaube ich eher um ein hohes Maß an Idenfitikation. Wo die Interessen sich decken, möchte man gern weitermachen, das ist selbstverständlich. Und das sehe ich nicht als Vertrauensbeweis oder als Beweis dafür, dass wir alles richtig gemacht haben. Im musikalischen Bereich glaube ich aber doch, dass wir in der Vergangenheit den einen oder anderen dazu gebracht haben, dass er nicht nur seine Ohren geöffnet hat, sondern dass er musikalisch sensibel geworden ist. Und das ist eine Erfahrung, die graduell nicht zu messen ist. Also: Wir kommen nicht ein bisschen in die Musik hinein oder ein wenig oder ganz oder fast in die Musik hinein. Das ist vielmehr so ähnlich wie wenn man ins Wasser springt, und nicht sagen kann, man ist fast nass oder noch ein bisschen trocken. Sondern man ist nass. Die Erfahrung ist also sehr eindeutig. Die Erfahrung, Musik zu erleben, unterscheidet sich grundlegend von einer Klangerfahrung, von einem reinen Klangeindruck. Klangerfahrung kennen wir alle. Wenn wir in ein Konzert gehen, wenn wir in eine Probe gehen, wenn wir selber musizieren. Wir haben ständig mit Klang zu tun. Auch beim SBM. Das ist nicht das Neue, auch nicht beim SBM. Die Tatsache, musikalisches Erleben persönlich als Individuum mitgemacht zu haben, das ist jedoch eine Erfahrung, die kennt keinen Kompromiss. Und wer davon einmal berührt wurde, weiß wovon er spricht, wenn er das wieder sucht. Und auf diese Suche begeben wir uns gemeinsam. Dass wir zwischendurch dabei erfolgreich waren ? nicht immer, aber doch immer öfter ? ist glaube ich der Grund dafür, dass es viele gibt, die hier auch wieder mitmachen wollen.
Bayerische Blasmusik: Sie haben gesagt, es sei nicht immer alles richtig gemacht worden. Wo sehen Sie möglicherweise noch Verbesserungspotenzial ? beim SBM in sich oder auch in der Zusammenarbeit mit dem MON?
Markus Theinert: Wir haben von Verbandsseite großartige Unterstützung bekommen und es ist für mich überhaupt ein Anlass zu großer Dankbarkeit, dass der Verband diesem Orchester über die Jahre die Treue gehalten hat. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Wir haben dem Verband nicht nur Freude beschert, sondern auch viel Kopfzerbrechen und sicher auch die eine oder andere finanzielle Überlegung. Und in diesem Ambiente oder in dieser Umgebung, die wir heute auch in Zeiten der Wirtschaftskrise haben, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Verband ein Orchester so lange Zeit auf diese Art und Weise unterstützt. Ich glaube nicht, dass da großes Verbesserungspotenzial liegt. Mit Fehlern meine ich eher, das was man von Jahr zu Jahr immer wieder versucht ? es geht immer wieder um äußere Zwänge, etwa die Suche nach Konzertveranstaltern, die in der Vergangenheit nicht immer ganz leicht war. Dass man immer wieder Kompromisse gemacht hat was die Säle und Bühnen angeht. Das sind Dinge, die sicherlich nicht immer ideal gelaufen sind. Also mussten wir dankbar annehmen, was wir bekommen haben. In diesem Jahr bleiben mit dem Herkulessaal in München von dieser Seite natürlich keine Wünsche mehr offen. Wir haben einen Saal, der akustisch hervorragend ist ? da wäre es sicherlich ein Wunsch, dass wir den nicht nur zum Konzert haben können, sondern auch für die Proben. Aber das bleibt zunächst mal ein Zukunftsgedanke, der noch in weiter Ferne liegt. Denn das sind wieder Kosten, die niemand stemmen kann, auch nicht der MON. Musikalisch wäre das sicherlich etwas, was nicht nur im Bereich des möglichen wäre, sondern sogar des Notwendigen liegt. Denn die akustischen Bedingungen gehören zu diesem Prozess dazu. Und für uns, wie für jedes Orchester, das auf Reisen geht oder in anderen Sälen spielt, ist es immer schwierig, sich in einer anderen akustischen Umgebung mit dem Material der Partituren auseinanderzusetzen, um es dann an einem anderen Ort zur Aufführung zu bringen. Dennoch sind wir viel besser dran als viele andere. Wenn Sie sich vorstellen, wie beengt die Musikvereine zum Teil in ihren Probenlokalen sind, dann haben wir in Violau vergleichsweise ideale Bedingungen.
Bayerische Blasmusik: Dieses Jahr gibt es erstmals ein Schülerkonzert,. Viele, auch große Orchester wie die Berliner Philharmoniker erkennen die Wichtigkeit der Nachwuchsarbeit und haben ähnliche Konzepte. Wie kam es beim MON zu dieser Idee und wieso ist diese Art der Nachwuchsarbeit auch für ein Projektorchester wie das SBM wichtig?
Markus Theinert: Ich glaube, Sie haben es schon richtig angedeutet: Es ist wichtig für jedes Orchester. Erstens haben wir überhaupt keine Möglichkeit, das Publikum der Zukunft zu ignorieren. Das wird keinem Orchester auf Dauer gut tun. Auf der anderen Seite war es auch mehr oder weniger eine Fügung, dass der Geschäftsführer des MON Andreas Horber und ich diesen Wunsch im Grunde genommen zeitgleich formuliert haben. Denn ich habe Schon länger damit spekuliert, dass wir an junge Leute herangehen. Wir machen aber nicht einfach ein Programm für junge Leute, wie das viele Orchester machen, die quasi als »Vorkonzert« das Programm für ein jugendliches Publikum schon einmal aufführen. Bei uns geht es vor allem um den Aspekt der Vermittlung. Es geht auch darum, dass wir die jungen Leute zunächst mal in die Konzerte hinein bekommen. Es reicht nicht aus, dass wir sie mit der Musik bekannt machen, sondern es muss auch moderiert sein. Und darin liegt vielleicht auch der große Unterschied zu anderen Jugend- oder Kinderkonzerten. Wir spielen nicht das ganze Programm, sondern wir widmen uns nur einem Ausschnitt, der aber aufbereitet wird. So lernen die Schüler sowohl das Instrumentarium des modernen Blasorchesters kennen als auch bestimmte Strukturen des aufgeführten Stückes. Das heißt, mehr oder weniger ist es eine Musikstunde mit Anschauungsunterricht. Das fehlt den Musiklehrern in der Schule oft. Sie haben heute Schwierigkeiten, mit der Klasse zu singen, in den Familien wird auch nicht mehr gesungen. Außer einer Konserve von der Platte oder der CD kann man im Musikunterricht keine Musikbeispiele bringen. Damit ist ein solches Schüler- oder Schulkonert die ideale Plattform, um genau das zu leisten, was übers Jahr im Musikunterricht nicht bewerkstelligt werden kann. Und wie ich schon angedeutet habe: Wenn das SBM eine Zukunft hat, dann gibt es auch in zehn Jahren noch Konzerte mit dem SBM und mit einem Publikum, das jetzt eventuell noch zur Schule geht. Und vielleicht stellen wir das Erlernen eines Blasinstruments auch für den einen oder anderen attraktiv dar und halten damit den Nachwuchs für die Blasorchester lebendig.
Bayerische Blasmusik: Und wieder leiten Sie direkt zu meiner nächsten Frage über, nämlich: Wo sehen Sie das SBM beim 20-jährigen Jubiläum?
Markus Theinert: Da erwischen Sie mich auf kaltem Fuße. (lacht) Ich habe schon viele Dinge erlernt in meinem Leben, aber Prophet bin ich nicht. Ich weiß noch nicht mal, wo ich nächste Woche bin. Aber das wird sich klären, wenn ich in meinen Kalender reinschaue. Normalerweise bin ich ein Mensch, der mit dem Jetzt umgeht und auch im Jetzt lebt. Und ohne Terminkalender wäre ich verloren, was die Zukunft angeht. So wird das wahrscheinlich auch mit dem SBM sein. Wir wissen nicht, wie es sich entwickelt, wir wissen auch nicht, ob wir in zehn Jahren so noch arbeiten können. Natürlich hoffe ich für die Einrichtung selbst, dass es das SBM in zehn Jahren noch gibt. Zum anderen, wenn Sie meinen Wunsch hören wollen ? ich habe es auch angedeutet: Es wäre schon eine Wunschvorstellung, auch in zehn Jahren noch im Herkulessaal spielen zu können. Und vielleicht auch, dass sich ein Programm, das dort aufgeführt wird, sich selbst mit Publikum versorgt. Das heißt, dass es fest verankert wäre, nicht nur im Bewusstsein der Mitgliedskapellen des Musikbundes, sondern vor allen Dingen auch in der Öffentlichkeit und in der Presse, sodass wir mehr oder weniger einen Selbstläufer generiert haben, was das Publikum angeht. Denn es ist ganz wichtig, dass die öffentliche Unterstützung und die Wahrnehmung durch die Presse nicht jedes Jahr neu erkämpft werden müssen, sondern dass sie irgendwann auch mit weniger Aufwand von allein kommt.
Bayerische Blasmusik: Letzte Frage: Warum sollte man sich das Jubiläumskonzert im Herkulessaal unbedingt anhören?
Markus Theinert: (zögert) Da hab ich nicht mal eine Antwort... Wenn ich das jemanden erklären müsste, würde ich einfach sagen: »Komm hin!« Aber nicht, warum... Wer kein Bedürfnis hat, ein solches Konzert zu hören, den werde ich ihn auch nicht hintragen können. Auf der anderen Seite glaube ich schon, dass es sich unter der erfreulich großen Anzahl von Konzerten mit sinfonischer Blasmusik doch in gewisser Weise unterscheidet. Es steckt eine andere Zielsetzung dahinter, es ist eine andere Vorbereitungsarbeit, und auch durch die gute Konzentration von Leistungsträgern in dem Orchester wird das Konzert sicherlich zu einem besonderen Erlebnis werden. Auch vom Programm her sind ein paar sehr schöne Stücke dabei. Auch solche, die man unterm Jahr sicherlich nicht so oft hören wird. Und dann vor allen Dingen diese Kombination, die wir heuer zum ersten Mal realisiert haben, dass das Orchester im Herkulessaal in der Münchner Residenz auftreten kann. Der Saal bietet ausgezeichnete Möglichkeiten für glückliche Momente in der Musik. Das haben wir in der Vergangenheit nicht immer gehabt. Die Akustik ist ein ganz entscheidender Bestandteil. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich so etwas im Herkulessaal umsetzen lässt. Also würde ich sagen: beides. Sowohl wegen des Orchesters als auch wegen des Saals lohnt sich ein Besuch dieses Konzerts unbedingt.
Ich wünsche natürlich allen, dass das Konzert ausverkauft ist. Das ist auch wichtig für das Orchester. Wir haben uns ja mit dem Verband damals beraten und das Orchester selbst hat meinen Wunsch unterstützt und gesagt: »Ja, wir werden dafür kämpfen, dass der Saal voll wird.« Das ist etwas, was ich dem Orchester gönne, dass wir vor vollem Haus spielen dürfen. Weil der Herkulessaal doch noch einige Plätze mehr hat als der Carl-Orff-Saal, in dem wir in den letzten beiden Jahren aufgetreten sind. Insofern ist das ein Wunsch, den ich gern auch an die Öffentlichkeit weitergebe.
Bayerische Blasmusik: Dem schließen wir uns an und hoffen, dass viele Leser der »Bayerischen Blasmusik« ins Konzert kommen. Ihnen vielen Dank für das interessante Gespräch!
Interview: Martin Hommer



